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Training03.06.2026

Warum ein Powerlifting-orientiertes Training sinnvoller ist

Die Gründe, weshalb Menschen mit Krafttraining beginnen, lassen sich letztlich auf ein zentrales Ziel reduzieren: den Körper leistungsfähig und gesund zu erhalten. Manche möchten Beschwerden vorbeugen, andere ihre körperliche Leistungsfähigkeit verbessern. Nicht selten steht zu Beginn auch der Wunsch im Vordergrund, das eigene Erscheinungsbild zu optimieren – heutzutage oft als „Looksmaxing“ bezeichnet. Doch selbst dieses Ziel hängt eng mit den positiven Anpassungen zusammen, die regelmässiges Krafttraining hervorruft.

Warum Krafttraining überhaupt notwendig geworden ist, liegt auf der Hand. Über Jahrtausende hinweg war körperliche Arbeit ein fester Bestandteil des menschlichen Alltags. Nahrung musste beschafft werden, Wege wurden zu Fuss zurückgelegt, und viele Tätigkeiten erforderten Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit. Die Industrialisierung und der technologische Fortschritt haben unser Leben in vielerlei Hinsicht erleichtert. Gleichzeitig haben sie jedoch dazu geführt, dass wir uns im Alltag immer weniger bewegen müssen.

Die Folge ist ein Paradoxon: Wir haben unseren Alltag so effizient gestaltet, dass wir heute gezielt Zeit investieren müssen, um die körperlichen Belastungen zu ersetzen, für die unser Organismus ursprünglich geschaffen wurde. Wer seinen Körper langfristig gesund und leistungsfähig erhalten möchte, kommt daher kaum um regelmässiges Training herum.

Für viele Menschen ist das Fitnessstudio die naheliegendste Lösung. Das Problem liegt jedoch nicht darin, dass Menschen trainieren, sondern oftmals darin, wie trainiert wird.

Moderne Fitnessstudios sind häufig von Maschinen geprägt, die einzelne Muskeln isoliert belasten. Zwar ist ein Training an Maschinen grundsätzlich besser als gar kein Training, doch stellt sich die Frage, ob dies tatsächlich die effektivste Nutzung unserer Trainingszeit darstellt.

Der menschliche Körper ist kein Sammelsurium isolierter Muskeln. Er ist ein hochkomplexes Bewegungssystem, das darauf ausgelegt ist, koordinierte Bewegungen auszuführen. Wir können gehen, laufen, springen, klettern, heben, tragen und werfen. Unsere Muskulatur arbeitet dabei niemals isoliert, sondern immer als Teil eines funktionierenden Gesamtsystems.

Deshalb erscheint es sinnvoll, auch das Training an den Bewegungen auszurichten, die unser Körper tatsächlich ausführt.

Anstatt einzelne Muskeln in möglichst vielen Winkeln zu trainieren, sollte die Frage lauten: Welche Funktionen möchten wir verbessern?

Zu den grundlegenden Bewegungsmustern des Menschen gehören unter anderem:

  • Aufstehen und Hinsetzen
  • Heben und Tragen von Lasten
  • Gehen und Treppensteigen
  • Springen und Landen
  • Drücken und Ziehen

Wenn unser Ziel mehr Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität ist, dann sollten wir genau diese Bewegungsmuster trainieren.

Es benötigt kein Studium der Bewegungswissenschaften, um zu erkennen, dass eine Kniebeuge vermutlich einen grösseren Übertrag auf den Alltag besitzt als eine isolierte Bewegung am Beinstrecker. Darüber hinaus ermöglichen funktionelle Mehrgelenksübungen deutlich höhere Belastungen, was nicht nur die Muskulatur, sondern auch Knochen, Sehnen und Bänder stärker beansprucht und dadurch entsprechende Anpassungen fördert.

Die Frage lautet nun: Wie sollte ein solches Training konkret aussehen?

Obwohl die Trainingswissenschaft in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht hat, sind noch nicht alle Mechanismen des Muskelaufbaus vollständig verstanden. Einige zentrale Faktoren gelten jedoch als gut belegt:

  1. Mechanische Spannung
  • Hohe Kraftentwicklung innerhalb des Muskels.
  • Gilt als einer der wichtigsten Faktoren für Muskelwachstum.
  • Kann sowohl durch schwere Lasten als auch durch leichtere Lasten nahe am Muskelversagen erzeugt werden.
  1. Ausreichende Ernährung
  • Ausreichende Energiezufuhr.
  • Genügend Protein für die Muskelproteinsynthese.
  • Die aufbauenden Prozesse müssen die abbauenden Prozesse übersteigen.
  1. Erholung
  • Ausreichend Schlaf.
  • Genügend Zeit zwischen den Belastungen.
  • Regeneration als Voraussetzung für Anpassung.

Aus diesen Erkenntnissen lassen sich einige allgemeingültige Leitlinien ableiten:

Funktionelle Mehrgelenksübungen bevorzugen

Übungen wie Kniebeugen, Kreuzheben, Bankdrücken, Überkopfdrücken oder Klimmzüge trainieren mehrere Muskelgruppen gleichzeitig und ermöglichen hohe Belastungen. Gleichzeitig weisen sie einen hohen Übertrag auf alltägliche Bewegungen auf.

Hart trainieren

Wer Fortschritte erzielen möchte, muss dem Körper einen ausreichenden Reiz setzen. In vielen Fällen bedeutet dies, bis nahe ans Muskelversagen zu trainieren.

Den gesamten Körper trainieren

Der Körper funktioniert als Einheit. Eine ausschliessliche Fokussierung auf einzelne Muskelgruppen stammt primär aus dem Bodybuilding und ist für die meisten Menschen weder notwendig noch optimal.

Regeneration ernst nehmen

Nicht während des Trainings wird man stärker, sondern während der anschliessenden Erholung. Training liefert den Reiz, Anpassung erfolgt in der Regeneration.

An diesem Punkt wird deutlich, weshalb ein Powerlifting-orientierter Trainingsansatz für viele Menschen sinnvoll sein kann.

Powerlifting konzentriert sich auf drei fundamentale Bewegungsmuster: Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben. Diese Übungen ermöglichen hohe mechanische Spannung, trainieren grosse Teile der Muskulatur gleichzeitig und fördern die Fähigkeit, Kraft zu entwickeln.

Der Fokus liegt dabei nicht auf der möglichst perfekten optischen Darstellung einzelner Muskelpartien, sondern auf einer klar messbaren Leistungssteigerung. Das Ziel lautet schlicht: stärker werden.

Genau darin liegt die Stärke dieses Ansatzes. Fortschritt lässt sich objektiv messen. Mehr Gewicht auf der Stange bedeutet mehr Kraft. Mehr Kraft bedeutet in vielen Fällen auch mehr Muskelmasse, höhere Belastbarkeit und eine bessere körperliche Leistungsfähigkeit.

Dabei muss niemand Wettkämpfe bestreiten oder sich als Powerlifter bezeichnen. Es genügt bereits, die Grundprinzipien des Powerliftings zu übernehmen: funktionelle Übungen, progressive Belastungssteigerung und die konsequente Orientierung an Leistung statt an kurzfristigen Trends.

Wer stärker wird, verbessert nicht nur seine Leistung im Gym, sondern investiert langfristig in Gesundheit, Belastbarkeit und Lebensqualität.

Über den Autor

Christoph Büchi

Christoph Büchi

Christoph Büchi ist mehrfacher Schweizer Meister im Powerlifting sowie Europa- und Weltmeister der WDFPF. Mit Bestleistungen von 300 kg Kniebeuge, 202.5 kg Bankdrücken und 315 kg Kreuzheben trainiert und startet er auch mit über 50 Jahren weiterhin aktiv an Wettkämpfen.