Wenn Research Chemicals plötzlich „Biohacking“ heissen
Im Moment passiert etwas ziemlich Interessantes in der sogenannten Biohacking-Szene. Eli Lilly geht massiv gegen Anbieter vor, die Peptide und insbesondere Retatrutide verkaufen. Also jenen Wirkstoff, der möglicherweise eines der nächsten grossen Medikamente zur Behandlung von Adipositas werden wird. Und gleichzeitig verschwinden Social-Media-Kanäle von Influencern, die Werbung für solche Peptide-Shops gemacht haben. Dies ist kein Zufall. Natürlich kann man jetzt die einfache Geschichte erzählen: Da ist der böse milliardenschwere Pharmakonzern Eli Lilly, der seine zukünftigen Gewinne schützen möchte, und auf der anderen Seite stehen ein paar kleine Peptide-Shops und Biohacker, die den Menschen selbstlos, wohlverstanden ohne medizinische Indikation, günstigen Zugang zu diesen Wirkstoffen ermöglichen wollen.
Ich halte diese Darstellung für diametral falsch, ja fast schon ketzerisch, eigennützig und manipulativ. Ich möchte euch jetzt und heute erklären, warum.
Was ist Retatrutide überhaupt? Retatrutide ist ein von Eli Lilly entwickelter sogenannter Triple-Agonist zur Behandlung von Adipositas bzw. medizinisch relevantem Übergewicht. Es ist nicht als Medikament zur Selbstoptimierung gedacht. Das Molekül wirkt gleichzeitig auf drei Rezeptorsysteme: GLP-1, GIP und Glucagon. Das ist unter anderem deshalb interessant, weil Retatrutide in den klinischen Studien eine enorme Wirkung auf das Körpergewicht gezeigt hat. In einer Phase-3-Studie verloren Teilnehmer mit der höchsten untersuchten Dosis nach 80 Wochen durchschnittlich 28,3 Prozent ihres Körpergewichts. In einer Verlängerung der Studie waren es bei bestimmten Teilnehmern nach 104 Wochen sogar durchschnittlich 30,3 Prozent. Das sind spektakuläre Resultate. Aber jetzt kommt der entscheidende Punkt: Retatrutide ist Stand heute kein zugelassenes Medikament. Lilly plant die Einreichung bei der amerikanischen FDA erst für Anfang 2027. Das bedeutet auch: Wenn euch heute irgendwo im Internet jemand Retatrutide verkauft, dann kauft ihr nicht einfach eine günstigere Version eines zugelassenen Lilly-Medikaments. Denn dieses zugelassene Medikament existiert noch gar nicht. Ihr kauft ein Produkt auf einem unregulierten Markt, auf dessen Verpackung jemand behauptet, dass darin Retatrutide enthalten sei. Das ist ein ziemlich grosser Unterschied.
Wie sind wir überhaupt an diesen Punkt gekommen? Research Chemicals gibt es nicht erst seit gestern. Es gibt selbstverständlich einen legitimen wissenschaftlichen Markt für Substanzen, die für Laboruntersuchungen und Forschungszwecke hergestellt werden. Irgendwann entstand daraus aber ein ziemlich interessantes und offenbar äusserst profitables Geschäftsmodell. Man verkauft eine Substanz nicht als Medikament, sondern schreibt darauf: „Research Use Only.“ Oder: „Not for Human Consumption.“ Also sinngemäss: nur für Forschungszwecke, nicht für den menschlichen Konsum. Und damit versucht man, eine Grenze zu ziehen. Wir verkaufen hier keine Medikamente. Wir verkaufen Chemikalien für Forschungszwecke. Was der Käufer anschliessend damit macht, ist nicht unser Problem. Das klingt auf den ersten Blick clever. Nur wird die Geschichte spätestens dann etwas unglaubwürdig, wenn sich rund um solche Produkte ein komplettes Ökosystem entwickelt, in dem Influencer darüber sprechen, welche Wirkung diese Peptide beim Menschen haben, wie sie diese selbst verwenden, welche Erfahrungen sie damit gemacht haben und wo man sie kaufen kann. Auf den Punkt gebracht: „Retatrutide ist Lillys noch nicht zugelassener Wirkstoff. Trotzdem existiert bereits eine komplette Schattenindustrie, die das Molekül synthetisiert, in Vials abfüllt und weltweit als ‘Research Chemical’ verkauft. Der Aufdruck ‘Not for Human Consumption’ ist dabei kein magischer Freipass. Patent-, Arzneimittel- und Vertriebsrecht gelten trotzdem. Das eigentliche Problem ist die Durchsetzung über eine internationale Lieferkette aus Herstellern, Zwischenhändlern, Peptid-Shops, Influencern und Endkunden.“ Dann stellt sich irgendwann eine ziemlich einfache Frage: An wen richtet sich dieses Produkt eigentlich wirklich? An ein biochemisches Forschungslabor? Oder vielleicht doch an den Typen, der gerade auf YouTube ein Video darüber gesehen hat, wie er damit Fett verlieren, schneller regenerieren oder seine Gesundheit „optimieren“ kann? Die amerikanische FDA hat genau dieses Problem bereits aufgegriffen. Sie hat Anbieter darauf hingewiesen, dass ein Aufdruck wie „Research Use Only“ einen Anbieter nicht automatisch schützt, wenn das gesamte Marketing gleichzeitig erkennen lässt, dass das Produkt eigentlich für die Anwendung am Menschen bestimmt ist. Anders gesagt: Man kann aus einem nicht zugelassenen Medikament nicht einfach eine Laborchemikalie machen, indem man „Not for Human Consumption“ auf die Flasche schreibt und anschliessend Influencer dafür bezahlen lässt, den Menschen zu erzählen, was das Zeug angeblich alles kann.
Und dann kamen die GLP-1-Medikamente! Mit Ozempic beziehungsweise Semaglutid und später Tirzepatid hat sich dieser Markt massiv verändert. Plötzlich interessieren sich nicht mehr nur irgendwelche Hardcore-Bodybuilder für irgendwelche experimentellen Substanzen. Wir sprechen über einen gigantischen Markt von Menschen, die Gewicht verlieren möchten. Und Retatrutide verspricht aufgrund der bisherigen Studienergebnisse nochmals eine erhebliche Weiterentwicklung. Damit entsteht natürlich Nachfrage. Das Problem ist nur: Das Medikament ist noch gar nicht zugelassen. Und wo Nachfrage existiert, entsteht ein Angebot. Also taucht plötzlich überall angebliches Retatrutide auf. In Peptide-Shops. Bei irgendwelchen Online-Anbietern. Teilweise als „Research Chemical“. Und genau dagegen geht Eli Lilly jetzt vor.
Darf Eli Lilly das? Nicht nur das. Ich finde, es ist vollkommen nachvollziehbar, dass sie es tun. Lilly hat im August sechs weitere US-Unternehmen verklagt, denen das Unternehmen den illegalen Verkauf von angeblichem Retatrutide vorwirft. Gleichzeitig fordert Lilly Social-Media-Plattformen, Zahlungsanbieter und Logistikunternehmen dazu auf, diesen Markt nicht länger zu unterstützen. Und jetzt kommt natürlich sofort das Argument: „Ja klar. Big Pharma möchte sein Geld schützen.“ Natürlich möchte Lilly Geld verdienen! Eli Lilly ist keine gemeinnützige Organisation. Das Unternehmen entwickelt Retatrutide, weil es damit in Zukunft sehr viel Geld verdienen möchte. Aber das ist doch überhaupt kein Gegenargument. Denn bevor Lilly dieses Medikament verkaufen kann, muss das Unternehmen Grundlagenforschung betreiben, Moleküle entwickeln, präklinische Untersuchungen durchführen, klinische Studien finanzieren, Tausende Probanden untersuchen, Produktionsverfahren entwickeln, Zulassungsverfahren durchführen und am Ende auch die Verantwortung für das zugelassene Medikament übernehmen. Wie viel Lilly bisher ganz konkret nur für die Entwicklung von Retatrutide ausgegeben hat, veröffentlicht das Unternehmen meines Wissens nicht. Und deshalb werde ich hier auch keine Fantasiezahl nennen. Wir können die Grössenordnung aber zumindest erahnen. Lilly baut beispielsweise momentan für mehr als 3,5 Milliarden Dollar ein neues Werk in Pennsylvania, in dem unter anderem Medikamente der nächsten Generation wie Retatrutide produziert werden sollen. Natürlich sind diese 3,5 Milliarden nicht die Entwicklungskosten von Retatrutide. Aber sie zeigen, über welche Dimensionen wir hier sprechen. Ein modernes Medikament entsteht nicht dadurch, dass jemand in China ein weisses Pulver synthetisiert, es in ein Vial füllt und einen Aufkleber daraufklebt. Hinter einem zugelassenen Medikament steht ein Entwicklungs- und Kontrollprozess, der Jahre dauert und enorme Summen verschlingt. Und jetzt kommt irgendein Peptide-Shop daher, lässt irgendwo einen Wirkstoff synthetisieren und verkauft ihn unter demselben Molekülnamen. Natürlich geht Lilly dagegen vor. Was sollen sie denn sonst machen? Vor allem wissen wir gar nicht, was wir da kaufen. Und damit kommen wir zum meiner Meinung nach wichtigsten Problem. Wenn ihr in einer Apotheke ein zugelassenes Medikament bekommt, gibt es definierte Qualitätsanforderungen. Ihr wisst, welcher Wirkstoff darin enthalten sein soll. Ihr wisst, wie viel davon enthalten sein soll. Es gibt Anforderungen an Reinheit, Produktion, Lagerung und – gerade bei injizierbaren Medikamenten – Sterilität. Wenn ich dagegen irgendwo im Internet ein Vial kaufe, auf dem „Retatrutide“ steht, weiss ich zunächst einmal genau eines: Dass auf dem Vial Retatrutide steht. Mehr nicht. Ist wirklich Retatrutide drin Stimmt die Konzentration? Ist das Produkt rein? Enthält es Syntheserückstände? Ist es steril? Wurde es korrekt gelagert? Enthält es vielleicht einen komplett anderen Wirkstoff? Ich weiss es nicht. Und genau deshalb wird die nächste Geschichte so absurd.
Iron Mike entdeckt den unregulierten Markt! Der selbsternannte Biohacker „Iron Mike Biohacking“ hat kürzlich verschiedene Peptide von Schwarzmarkt- beziehungsweise Peptide-Shops ins Labor geschickt. Und siehe da: Bei den untersuchten Produkten beziehungsweise Anbietern gab es Unregelmässigkeiten. Ich musste bei dieser Geschichte wirklich schmunzeln. Denn hier schliesst sich für mich der Kreis. Da wird über Jahre die Verwendung von Peptiden propagiert. Peptide werden als Bestandteil von Biohacking dargestellt. Es gibt Coaching und Beratung rund um diese Themen. Es gibt kommerzielle Verbindungen beziehungsweise Werbung für entsprechende Anbieter. Und dann schickt man irgendwann Produkte dieses Marktes ins Labor und stellt überrascht fest: Moment mal – bei Produkten aus einem unregulierten Markt gibt es Qualitätsprobleme! Welch Überraschung. Genau davor warnen Arzneimittelbehörden doch seit Jahren. Das ist kein überraschender Skandal. Das ist das vorhersehbare Resultat des Systems. Wenn ich einen Markt aufbaue, bei dem Produkte ausserhalb der normalen Arzneimittelkontrolle verkauft werden, kann ich mich doch anschliessend nicht darüber wundern, dass die Qualitätskontrolle nicht derjenigen eines regulierten Arzneimittelmarktes entspricht. Und genau deshalb halte ich die Verantwortung von Influencern in diesem Bereich für wesentlich grösser, als viele offenbar wahrhaben möchten. Der Shop verkauft angeblich Research Chemicals – aber was macht der Influencer? Der Shop kann zumindest versuchen zu argumentieren: „Wir verkaufen das ausschliesslich für Forschungszwecke.“ Okay. Dann kommt aber der Influencer. Und der erzählt seinem Publikum: Ich habe dieses Peptid genommen. Das hat bei mir diese oder jene Wirkung gehabt. Dieses Peptid eignet sich für diesen Zweck. Hier bekommt ihr es. Und vielleicht gibt es über meinen Rabattcode sogar noch zehn Prozent. Spätestens hier wird die ganze Konstruktion doch absurd. Denn wer verdient jetzt daran, dass Menschen diese angeblichen Research Chemicals eben nicht zu Forschungszwecken kaufen? Der Influencer. Und damit haben wir einen Interessenkonflikt, über den viel zu wenig gesprochen wird. Je mehr Menschen davon überzeugt werden, diese Produkte zu verwenden, desto interessanter wird das Geschäftsmodell. Und genau hier stört mich der Begriff „Biohacking“ Biohacking klingt wunderbar. Ich optimiere meinen Schlaf. Ich messe meine Herzfrequenzvariabilität. Ich analysiere meine Ernährung. Ich verbessere mein Training. Ich schaue meine Blutwerte an. Alles wunderbar. Aber irgendwann findet ein interessanter Kontextswitch statt. Aus Schlafoptimierung werden Supplements. Aus Supplements werden Medikamente. Aus Medikamenten werden nicht zugelassene Medikamente. Und irgendwann sind wir bei experimentellen Wirkstoffen aus irgendwelchen Peptide-Shops. Und alles heisst weiterhin: Biohacking. Nein! Wenn ich mir einen experimentellen Wirkstoff injiziere, dann sollte ich wenigstens ehrlich genug sein, es auch so zu nennen. Ich injiziere mir einen experimentellen Wirkstoff. Das klingt natürlich weniger sexy als: „Ich optimiere meine Biologie.“ Aber genau das ist der Punkt. Der Begriff Biohacking erzeugt eine sprachliche Harmlosigkeit, die dem tatsächlichen Risiko überhaupt nicht entsprechen muss.
Erwachsene Menschen dürfen Risiken eingehen! Und damit wir uns richtig verstehen: Ich möchte niemandem vorschreiben, was er mit seinem Körper machen soll. Ein erwachsener Mensch darf sich informieren, Risiken abwägen und anschliessend Entscheidungen treffen, die ich persönlich vielleicht niemals treffen würde. Das gilt übrigens genauso für Steroide. Es gilt für Alkohol. Es gilt für Extremsport. Und meinetwegen gilt es auch für experimentelle Peptide. Aber dann sollte man zumindest wissen, worüber man spricht. Was ich problematisch finde, ist etwas anderes. Wenn jemand mit einer grossen Social-Media-Reichweite auftritt und den Eindruck vermittelt: Ich habe mich damit beschäftigt. Ich kenne mich aus. Ich bin Biohacker. Ich kann euch erklären, wie das funktioniert. Und hier ist übrigens gleich der Shop, bei dem ihr es kaufen könnt. Dann verändert sich die Situation. Denn jetzt wird aus einem persönlichen Selbstexperiment eine Empfehlung an Tausende Menschen. Und wenn daran anschliessend auch noch Geld verdient wird, sollte man sich meiner Meinung nach einige ziemlich unangenehme Fragen gefallen lassen.
Ein Arzt und ein Influencer sind nicht dasselbe! Ein Arzt, der einem Patienten ein zugelassenes Medikament verschreibt, hat eine Ausbildung. Er kennt die Krankengeschichte. Er sollte Kontraindikationen berücksichtigen. Er muss über Risiken informieren. Er trägt eine professionelle Verantwortung. Er muss unter Umständen haften, er setzt gewissermassen seine Existenz aufs Spiel. Ein Influencer kann dagegen theoretisch ein Video aufnehmen, einen Rabattcode darunter schreiben und am Verkauf verdienen. Und wenn etwas schiefgeht? Dann war es plötzlich nur ein persönlicher Erfahrungsbericht. Genau diese Vermischung aus Beratung, Unterhaltung, Selbstexperiment und Werbung halte ich für hochproblematisch. Und nein: Das bedeutet nicht, dass Peptide grundsätzlich schlecht sind. Auch das möchte ich ausdrücklich sagen. Peptide sind nicht automatisch gefährlich oder unseriös. Peptide sind eine riesige Klasse biologischer Moleküle. Es gibt hervorragend untersuchte Peptid-Medikamente. Es gibt experimentelle Peptide mit sehr interessanten medizinischen Perspektiven. Und selbstverständlich gibt es vollkommen legitime Forschung mit solchen Substanzen. Aber genau deshalb müssen wir verschiedene Dinge auseinanderhalten. Ein zugelassenes Medikament. Ein Wirkstoff in einer kontrollierten klinischen Studie. Eine Chemikalie für legitime Laborforschung. Und ein Vial aus irgendeinem Internetshop. Das sind nicht vier Bezeichnungen für dieselbe Sache. Das sind vollkommen unterschiedliche Situationen. Und nur weil auf zwei Vials derselbe Molekülname steht, bedeutet das noch lange nicht, dass wir über dasselbe Produkt sprechen.
Mein Fazit: Ich finde die Entwicklung rund um diese Peptide-Shops deshalb ausgesprochen interessant. Denn sie zeigt sehr schön, was passiert, wenn wissenschaftliche Forschung, Fitnesskultur, Social Media und kommerzielle Interessen aufeinandertreffen. Ein hochinteressanter Wirkstoff wird entwickelt. Erste Studien liefern spektakuläre Resultate. Das Internet entdeckt den Wirkstoff. Die Nachfrage explodiert. Shops beginnen, angeblich denselben Wirkstoff zu verkaufen. Influencer machen daraus Content. Aus einem experimentellen Medikament wird plötzlich ein „Biohack“. Rabattcodes tauchen auf. Menschen beginnen, sich Substanzen zu injizieren, die noch nicht einmal als Medikament zugelassen sind. Und irgendwann stellt jemand fest: Hoppla. Bei diesen Produkten aus dem unregulierten Markt stimmt möglicherweise die Qualität nicht. Nota bene eine Person, die genau diese Produkte lange propagiert hat. Das ist Heuchelei auf höchstem Niveau. Mir ist nicht bekannt, dass besagte Person auch nur einen Cent, den sie damit verdient hat, an einen Kunden zurückgegeben oder sich auch nur dafür entschuldigt hätte. Selbst diese Geschichte wird für eigene Zwecke werbewirksam vermarktet. Stellt euch alle selbst die Frage: Wie kompetent und vertrauenswürdig ist so eine Person überhaupt? Genau deshalb gibt es Arzneimittelregulierung überhaupt. Man kann Eli Lilly kritisieren. Man kann über Medikamentenpreise diskutieren. Man kann über Patente diskutieren. Man kann über die Macht grosser Pharmakonzerne diskutieren. Das alles sind legitime Diskussionen. Aber „Big Pharma ist böse“ ist kein Qualitätsnachweis für das weisse Pulver in einem Vial aus einem Peptide-Shop. Und „Biohacking“ ist keine medizinische Zulassung. Ein Rabattcode ersetzt keine Qualitätskontrolle. Ein Influencer ersetzt keinen Arzt. Und ein Selbstexperiment wird nicht dadurch wissenschaftlich, dass man ein Blutbild davor und danach macht. Vielleicht sollten wir deshalb wieder anfangen, die Dinge beim Namen zu nennen. Forschung ist Forschung. Medizin ist Medizin. Und wenn man sich einen nicht zugelassenen Wirkstoff aus einem unregulierten Markt injiziert, dann ist das kein revolutionäres Biohacking. Es ist ein Experiment am eigenen Körper. Und wer anderen Menschen dazu rät und gleichzeitig daran verdient, sollte sich seiner Verantwortung verdammt bewusst sein. Aber das Übernehmen von Verantwortung im Zusammenhang mit Biohackern und Influencern findet offenbar auf gänzlich verschiedenen Planeten, ja in verschiedenen Universen statt. Die Profitgier, was in diesem Fall noch der verständlichere Beweggrund wäre, oder eben die Notwendigkeit, damit Geld zu verdienen, scheinen nicht vorhandene moralische Grundsätze komplett zu negieren.
Über den Autor

Christoph Büchi
Christoph Büchi ist mehrfacher Schweizer Meister im Powerlifting sowie Europa- und Weltmeister der WDFPF. Mit Bestleistungen von 300 kg Kniebeuge, 202.5 kg Bankdrücken und 315 kg Kreuzheben trainiert und startet er auch mit über 50 Jahren weiterhin aktiv an Wettkämpfen.